Nun waren wir also endlich beim Arches NP. Einem der
berühmtesten National Parks in Amerika. Insgesamt kommen auf den flächenmäßig
sehr kleinen Park im Jahr über 1 Million Besucher. Das merkt man, auch an dem während unseres
Aufenthaltes dauerhaft vollen Zeltplatz. In Moab finden sich überall die Bilder
von den großen roten Steinbögen, so dass wir schon ganz neugierig sind diese
endlich in Echt zu bestaunen.
Außerdem wird dies unsere erste richtige Wüste sein, die wir
gemeinsam wandernd erkunden wollen. Um eine schöne Wanderroute zu finden, hab
ich unsere kleine Büchersammlung durchforstet und bin auf recht Erstaunliches
gestoßen. In dem Nationalparkführer gibt es eine Auflistung an kleinen
Rundgängen um sich die Beine zu vertreten. Diese Runden können bis zu 3 Meilen
lang sein. Danach folgt eine Auflistung der Long Hikes, also „langen“
Tageswanderungen. Die kürzeste dieser Wanderungen ist 2 Meilen lang und geht
über umgerechnet 120 Höhenmeter…. Komische Unterteilung aber na ja, wir haben
ja keine Erfahrungen mit Wüsten und was uns gegebenenfalls erwarten könnte.
Wir entschieden uns für den Primitiv Loop im Devils Garden,
grob im Kopf überschlagen 13 Kilometer lang. Auf dieser Runde gibt es viele
mögliche Seitenabstecher die wir mitmachen wollen. Oder (wenn es zu heiß ist)
einfach weglassen können. Um der größten Hitze zu entfliehen wollten wir, wie
bei der letzten Wanderung, möglichst in der Früh starten und die morgendlich
frische Luft genießen.
Gesagt ist nicht gleich getan….
Wir haben einen Zeltplatz direkt in Moab gefunden. Diese
„Stadt“ befindet sich fast direkt am Eingang vom Arches NP. Von der ganzen
Fahrerei hatten wir die Nase voll und so zogen wir los um was „richtiges“ zum Essen
einzukaufen. Richtig, d.h. viel Obst und Gemüse auf das wir bisher sehr
verzichtet haben (mussten). Steaks (Bison und Rind), Grillkohle und Bier wurden
auch noch schnell eingepackt und schon ging es zurück zum Zelt.
Erst einmal fielen wir hungrig über den schnell gemachten
Salat her… Die Folienkartoffeln waren auch schnell im Feuer. In den Staaten
gibt es in fast jedem Supermarkt frische Maiskolben zu kaufen, die noch mit
Blättern umhüllt sind. Irgendwo hab ich mal aufgeschnappt dass man Mais mit
Blättern direkt ins Feuer legen kann. Damit hatten wir eine super Begrenzung
für die glühenden Kohlen. Leider entwickelte diese zuerst nicht die von uns
erwartete Hitze. Aber wir hatten einen Bärenhunger! Uns kam die rettende Idee,
wieso nicht die Steaks in Folie einwickeln und ab damit in die Glut?!
Den Steaks fehlte nach dieser Aktion ein bisschen
Grillaroma, aber ansonsten eine prima Möglichkeit! Bison schmeckt übrigens
genial; ein bisschen würziger als Rindfleisch und auf jeden Fall eine super
Grillfleischergänzung.
Die Maikolben wurden danach noch für ein paar Minuten direkt
auf die Glut gelegt. Als die ersten Blätter verkohlten schälten wir sie frei
und wurden positiv überrascht! So leckere Maiskolben hab ich selten gegessen!
Kurz zusammengefasst: Der Abend wurde etwas ausschweifender
und länger wie geplant.
Folglich verschoben wir den früh geplanten Start der Tour
auf den späten Vormittag.
Die Babysonnencreme Faktor 50+ wurde noch großzügig verteilt
und das Essen und die pro Person ungefähr 3,5 Liter Wasser eingepackt. Dann
ging es endlich los!
Uns erwartete schon ein fast voller Parkplatz am Einstieg.
Die ersten paar Meilen und Attraktionen waren auch noch sehr gut Besucht. Was
mehr als nur verständlich ist bei diesen Steinformationen! Rote, bizzar geformte
Felswände, Türm, Bögen. Dazwischen Büsche, Kakteen, kleine Bäume und ein für
uns nach vertrockneten Moos aussehende Schicht auf dem Sand. Diese Schicht soll
Leben beinhalten?! So erklären es zumindest manche Schilder! Wir können es
nicht so recht glauben…
Weiter geht es die Touriroute entlang. Wir schauen uns immer
wieder um, staunen und machen Fotos. Nach einiger Zeit erreichen wir ein Schild
mit der Warnung vor einem „difficult trail“. Wir gehen weiter :-)
Hier wird es zusehends einsamer, bis wir den Weg gefühlt nur
für uns haben. Am eindrucksvollstem fand ich unseren Seitenabstecher zum Privat
Arch. Dieser sehr große Steinbogen liegt gut versteckt in einem Tal. Im
Schatten unter dem Bogen machten wir ein gemütliches Päuschen und um uns herum
war nur Stille.
Stille? Wer sagte hier Stille?! Ein Streifenhörnchen teilte
sich das Tal mit uns und war emsig an der Arbeit die Zapfen von den Bäumen zu
nagen um sie unten am Boden zu knabbern.
Einfach nur schön :-) Kurz schauten noch zwei andere
Besucher vorbei. Aber nach dem obligatorischen Foto waren das Streifenhörnchen
und wir wieder für uns….
Doch der Weg wartet und es wurde immer (noch) heißer. Hier bewies
sich auch, dass die Namensgebung „Devils Garden“ durchaus gut gewählt war. Die
letzten Meilen zogen sich ein bisschen, vor allem wenn es in tieferen
Wüstensand ging. Aber diese Natur, dieses Gestein, dieses „Gefühl“ hier ist
einfach unbeschreiblich! Hier können Bilder leider nur einen kleinen Teil der
Stimmung einfangen…
Als wir wieder beim Auto waren hatte jeder noch ca. einen
Liter Wasser übrig. Wir waren mit unserer Planung zufrieden. Diesen Liter
tragen wir gerne als Reserve mit!
Die Hitze hatte es übrigens ziemlich in sich. Am besten geht
man langsam, macht immer wieder kleine Pausen und trinkt durchgehend kleine
Schlückchen. Dafür hat man ein wirklich einmaliges Erlebnis.
Nach der Wanderung waren wir hungrig und David hat an der
Straße ein Schild von einer „Micro Brewery“ (Kleinbrauerei) erspäht. Diese
wurde gleich getestet und für gut befunden. Dieser Meinung waren auch viele
Amerikaner und so war hier kaum ein freier Platz zu finden.
Am nächsten Tag ging es zu der von uns spontan noch gestern
gebuchten Canyoningtour.
Zusammen mit einem amerikanischen Pärchen und einem Guide
waren wir über 4 Stunden unterwegs. Der Canyon hatte teilweise Becken die mit
mehr oder weniger sauberen Wasser gefüllt war. In jeder noch so kleinen Pfütze
tummelten sich jede Megne Kaulquappen und winzige Frösche hüpften überall
herum. Hoffentlich haben wir nicht zu viele aus Versehen zertreten :-( Ich hab
versucht sorgfältig aufzupassen.
Und so ging es über die verschiedensten Spalten,
Hindernisse, Wasserbecken etc.
Unser Guide wusste auch noch ziemlich viel über die Umwelt.
Unter anderem hat er uns gezeigt, dass die nach vertrocknetem Moos aussehende
Schicht durchaus lebt. Wenn diese mit Wasser übergossen wird, erhalten die
Kissen innerhalb von Sekunden ihre grüne Farbe wieder zurück. Außerdem halten
die Mooskissen den Sand fest, bilden Nährstoffe und halten die Feuchtigkeit im
Sand. Nur wegen dem Moos können sich so viele Pflanzen in dieser Wüste halten.
Damit sich eine feste, sichtbare Schicht bildet, muss der Sand 3 Jahre
ungestört sein. Danach wachsen diese Kissen in die Höhe. Für einen Inch Höhe
braucht es 100 Jahre!!
Für den restlichen Tag wollten wir eigentlich in den
Canyonlands NP direkt südlich vom Arches NP. Da wir aber die Einladung von
einem Couchsurfer in Salt Lake City erhalten haben machten wir uns auf zur nächsten
Autofahrt. Diese Einladung wollten wir auf keinen Fall ausschlagen! Auf uns
wartete ein sehr cooler Host mit seinem niedlichen kleinen Dackel.
Matt ist ein begeisterter (um nicht zu sagen extremer)
Mountainbiker. Er zeigte uns stolz sein neues und seine alten Bikes.
Anschließend folgte eine kurze Führung durch seinen kleinern Fuhrpark billig
erstandener alter Autos die er teilweise wieder herrichtet. Im Garten befand
sich unter andrem noch sein Boot (ähnlich einer kleinen Jacht) mit dem er gerne
auf Tour geht.
Nach dem ersten beschnuppern wollten wir nicht lange
herumsitzen und brachen auf zum klettern. Unser Host kletterte zwar nicht
selber, wusste aber eine Stelle mit Felsen. Diese inspizierten wir und klettern
dann eine schöne und einfache Route an einer Kante hoch.
Als jeder einmal geklettert war, war es auch schon richtig
dunkel und es ging wieder zurück.
Auf uns Beide wartete übrigens als Unterkunft ein ganzer
Wohnwagen für uns alleine!
Wir beschlossen noch einen Tag in Salt Lake City
dranzuhängen und ein bisschen die Gegend zu erkunden. Hier gibt es die weltweit
größte und ergiebigste Kupfermine im offenen Tagebau. Die konnten wir nicht
auslassen. Die Grube (oder eher Loch) ist über einen Kilometer tief und ca. 4
Kilometer im Durchmesser. 1903 stand hier noch ein Berg!
Von der Aussichtsplattform im Visitor’s Center konnten wir
die gigantischen Trucks und Bagger beobachten. Ein Truck kann bis zu 320 Tonnen
Gestein transportieren. Eine Baggerschaufel fasst knapp 90 Tonnen. Ganz weit
unten wurde eine riesige Sprengung vorbereitet. Unsere Nachfrage bei den
Securitys ergab, dass diese ca. 1 Stunde vor der Sprengung üblicherweise
gewarnt werden, aber bis jetzt noch keine Benachrichtigung erfolgte. Wir lungerten
noch ein bisschen im Giftshop rum und warteten ein bisschen. Aber letztendlich
sind wir dann doch irgendwann wieder gefahren ohne die Sprengung zu sehen.
Weiter ging es zum großem Salt Lake.
Hier haben wir einen ganz besonderen Tag erwischt. Nur wir
zwei und Billionen von Fliegen genossen den Salzsee. Gekrönt wurde alles von zahlreichen
mehr oder weniger mumifizierten Möwen. Über allem hing ein alldurchdringender,
nun ja, Verwesungsgestank…
Wie wir von Matt erfuhren gibt es solche Tage ein/zweimal im
Monat. Zur Abwechslung gibt es aber im Frühling die große Zeit der unzähligen
Spinnen :-D
Auf dem Rückweg zu unserem Domizil klärten wir mit unserem
Host ab, dass wir kochen würden, kauften ein und kochten ziemlich scharfes Ratatouille,
das wir mit krossem Bacon und Cheddar in Tortillas einwickelten.
Es hat allen prima geschmeckt und es entwickelte sich im
Laufe des Abends ein wirklich tolles Gespräch, sodass wir uns wieder viel zu
spät verabschiedeten. Unser Host wäre schon auf dem Weg zur Arbeit, wenn wir
aufstünden. Wir sollten also den Wohnwagen offen lassen und die Schlüssel drin
auf den Tisch legen.
Und so brachen wir Richtung Teton und Yellowstone NP auf.




















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