Sonntag, 19. August 2012

Yosemite


Jetzt liegt San Fransisco schon weit hinter uns und es bleiben viele verschiedene Eindrücke zurück.


Wir sind mit dem Mietwagen unterwegs, haben die riesigen Supermärkte von innen und außen bestaunt und saugen nun die Eindrücke der Landschaft ein, durch die wir fahren.

Unser Auto haben wir in der Folsom Street abgeholt. Das gestaltete sich etwas zeitaufwändiger wie gedacht.
Dort wartete nämlich bereits eine große Schlange und ein zwar sehr freundlicher aber gemütlicher Mitarbeiter auf uns.
Leider hab ich (Katha) bereits am ersten Tag meinen internationalen Führerschein verloren…. (wah. Im Flughafenshuttel liegen gelassen L) Das hat beim Ausleihen des Autos zum Glück keine Rolle gespielt.
Jetzt sitzen wir gerade in einem (mittelgroßen) Chrysler und fahren gemütlich Richtung Yosemite National Park. Kaum hatten wir SFO verlassen stieg das Thermometer bis auf 106°F. Das entspricht ungefähr 41-42°C, wie uns der Handyumrechner verrät. Puh, ein Glück, dass wir einen großen Wasserkanister gekauft haben….
Ach Einkaufen…. Was es nicht alles gibt. Wir sind jetzt stolzer Besitzer einer kleinen Plastikschaufel für die großen Geschäfte. Ausgestattet mit einem Maßstab für cm und inch, damit auch nichts zu niedrig vergraben wird…
Leider haben wir noch keine Bearbox gekauft. Die war uns dort für knapp über 60 Dollar zu teuer. Eine bearbox ist ein ziemlich stabiler Kanister, den man dabei haben sollte, wenn man draußen unterwegs ist. Hier gibt es nämlich Bären, nicht zu verwechseln mit Beeren, denn Beeren brechen dir das Auto nicht auf, wenn sie etwas Schmackhaftes darin vermuten. Daher tut man gut daran alles, was für einen Bären schmackhaft sein könnte (Essen, Limo, Bier, Sonnencreme, Seife, Lippenstift, etc.), in dieser unkaputtbaren Dose zu verstauen und diese in sicherer Entfernung zum Schlafplatz zu deponieren. Wir werden uns also bei nächster Gelegenheit eine solche bearbox mitnehmen.
Zurück zu unserer Autofahrt. Die ganze Landschaft ist sehr schön und leicht wellig. Aber alles und wirklich alles an Gras und Buschzeug ist verdorrt! Ausgenommen einiger Felder mit künstlicher Bewässerung. Diese hält sich aber auch in Grenzen.
Da uns die Waldbrandgefahr zu groß war, haben wir uns einen etwas abgelegenen Platz an einem Spielplatz gesucht. Dort im Schatten und auf Betonplatten haben wir unseren Gaskocher angeworfen und Black Angus Burger gegrillt :-D Nach ein bisschen rumexperimentieren hatten wir die richtige Temperatur heraus und die Ergebnisse ließen nichts zu wünschen offen. Im Gegenteil, wer einen solchen selbst gegrillten Burger gegessen hat, möchte so schnell keinen anderen mehr essen.

Danach sind wir zügig weiter gefahren in die Sierra Nevada, um noch einen Schlafplatz in einem Motel zu bekommen. Das einzige, was halbwegs einladend aussah, war zum Glück leider geschlossen, denn so sind wir weiter gefahren und haben den perfekten Schlafplatz am Merced-River unter’m Sternenzelt gefunden. Zuerst das Auto sichern: Steine unter die Reifen und alles Essbare in Plastikbeuteln in der Nähe verstecken. Ja klar, ein Bär hätte sich darüber gefreut, aber was sollten wir machen? Und so wäre zumindest der Wagen heil geblieben.
Nach einem ausgiebigen, kühlenden Bad ging es fast ohne Abendessen ins Bett, wir waren von unserem opulenten und späten Mittag noch reichlich satt. Um bei der Hitze einschlafen zu können, hab ich mein T-Shirt im Fluss nass gemacht, so ließ es sich aushalten. Unter den glitzernden Sternen von unserer persönlichen Mückenabwehrstaffel (etliche Fledermäuse schossen bis in die Morgenstunden um uns herum) bewacht sind wir dann ohne Probleme durch die Nacht gekommen. Bären waren bis jetzt auch noch nicht zu sehen.


Wir hatten gehört, dass es schwierig sein soll direkt im Yosemite Valley einen Campingplatz zu bekommen, wir waren hin und her gerissen, einerseits wollen wir DAS Kletter-Mekka der USA erkunden, andererseits haben wir keine große Lust auf Tourirummel. Wir ließen das Schicksal entscheiden: Wenn wir einen Platz bekommen, bleiben wir, sonst gibt’s einen Spaziergang und weiter geht’s.
Um dem Schicksal ein bisschen nachzuhelfen, sind wir früh von unserem wilden Campingplatz aufgebrochen und waren bereits um halb sieben im Tal, das mit seinen Einrichtungen wie ausgestorben da lag.
Ein wenig orientierungslos reihten wir uns in eine kleine Schar Wartender vor dem Wildeness Visitor’s Center ein. Etwas später öffnete es seine Türen und wir bekamen eine sehr lehrreiche, spannende und spaßige Einführung, wie man sich in der Wildnis des Yosemite National Parks zu verhalten habe und wie man am Besten mit Bären umgeht.
Schon während der Ansprache der engagierten Rangerin schwante uns: hier werden keine Campingplätze vergeben. Wir bekamen jedoch hervorragende Tipps, die unseren Aufenthalt im Yosemite unvergesslich machten.
Der Erste war, dass es in Camp 4 noch freie Plätze gäbe. Hey, wir schlafen in Camp 4, der Brutstätte des Freikletterns, da wo schon Lynn Hill, Dan Osman und Co ihr Haupt betteten!!!
Nach einigen Irrungen und Wirrungen stand unser Zelt am rechten Platz und wir waren platt.
Platt vom noch immer nicht ganz überwundenen Jetlag, der etwas unruhigen Nacht und den hohen Temperaturen. Also entschieden wir uns einen Ruhetag einzulegen.

Ausschlafen in der Hängematte, Reiseberichte lesen, Reiseberichte schreiben, Baden gehen und kochen.
Ganz entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten gab’s ganz einfaches Essen: Baked Beans aus der Dose mit getoasteten Beagles. „Schmeckt sch…, aber man kann sich von ernähren.“

Am nächsten Tag sind wir wiederum früh aufgestanden, wir wollten der Tageshitze zuvorkommen, schließlich hatten wir eine große Tour vor: Four Mile Trail zum Glacier Point hoch und dann über den Panorama Trail wieder runter. Insgesamt knapp 13 Meilen (ca. 20 km) und gut 1000 Höhenmeter. Unbestätigten Quellen zu folge sind wir kurz vor sechs aufgebrochen. Trotz unseres frühen Starts waren wir nicht wirklich allein unterwegs.


 
Ein angenehm kühler Anstieg führte und aus der Tagsohle zum Glacier Point hoch. Mit jedem Höhenmeter wurde das Panorama von El Capitan im Westen bis Half Dome im Osten imposanter.

Am Glacier Point war dann der befürchtete Rummel los, aber wir brauchten eine Pause, also sind wir nach den obligatorischen Fotos mit unserem frisch erstandenen Eis auf einen großen Stein geklettert und hatten dort halbwegs unsere Ruhe.
Anschließend ging dann der große Abstieg los. Oberhalb der Illiouette Falls haben wir eine Gruppe Franzosen gesehen, die sich auf einer natürlichen Wasserrutsche vergnügten. Da konnten wir nicht anders als noch eine kleine Pause einzulegen und mitzurutschen :-D

Nach einem kleinen Anstieg ging es dann in das total überfüllte Talende unter’m Halfdome mit den Nevada und den Vernal Falls, die als beliebtes Ausflugs- und Badeziel herhalten.


Der Abstieg bringt viele der Dortigen an ihre Grenzen, obwohl die Wege und Stufen an Qualität nichts zu wünschen übrig lassen. Aber auch wir sind nach 10 Stunden Tour erschöpft und freuen uns über den kostenlosen Shuttle-Service, der uns die letzten drei Kilometer zu unserem Zelt bringt.

Hier warten schon unsere neuen Nachbarn Kyle, Phillip, Diana und George. Sie sind super freundlich und fröhlich und hilfsbereit. Wir bekommen Zwiebeln und Tomaten, um unsere Tomatensauce für die Spaghetti aufzupeppen, dürfen ihren Grill benutzen und sie teilen Ihr Bier mit uns. Zum Glück nehmen sie auch unsere Gastfreundschaft an und so sitzen und quatschen wir gemütlich bis unsere sturzbetrunkenen Nachbarn aus der anderen Parzelle meinen sich bei uns prügeln zu müssen. Doch auch dieser Streit ist bald beigelegt.


Nach dem Essen beschließen Kyle, Phillip und Diana noch zu den Lower Yosemite Falls zu gehen und ein bisschen zu baden. Bis wir dort sind ist es stockfinster und auf dem Rücken liegend kann man den Himmelsausschnitt bewundern, der nicht von den Felsen verdeckt wird. Ich bedauere sehr, dass Katha zu müde war, um noch mitzukommen. Als wir zurückkommen liegt sie schon im Zelt und ich schafe kurz drauf dicht an sie gekuschelt ein.

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